Zwischendurch!

3. November 2012

Zwischendurch!


Der risikolose Zins – ein Paradoxon

Sie wissen natürlich was ein Paradoxon ist. Sie haben damals in Mathe und Philo aufgepasst und wissen, dass es sich um einen unauflöslichen Widerspruch handelt. Soweit so gut. Später wurden uns in Lehranstalten – Schwerpunkt Wirtschaftswissenschaften – zahlreiche Kapitalmarkttheorien eingepaukt, die einen risikolosen Zins enthalten. Theoretisch. Nach diesen Modellen werden weltweit Unsummen gemanagt in der festen Annahme, es gäbe einen Zins ohne Risiko. Und genau hier liegt das Paradoxon.

Gäbe es kein Risiko, stellt sich die Frage, warum dann ein Zins erhoben werden sollte. Zugegeben, eine zunächst vereinfachte Sicht der Dinge, ebenso vereinfacht wie die Annahme eines risikolosen Zinses im Formelwerk der Kapitalmarkttheoretiker. Für die Beweisführung genügt ein Blick in die Vergangenheit, um festzustellen, dass keine einzige Geldanlage jedes Krisenszenario unbeschadet überlebt hat – sei es die Hyperinflation nach dem ersten Weltkrieg, die Währungsreform nach dem zweiten Weltkrieg oder das Goldverbot in den dreißiger Jahren. Auch damals ist man von einem bestimmten Risikoverständnis und in der Folge von einer Risikogewichtung ausgegangen, die sich im Nachhinein als unbrauchbar erwiesen hat.

Vom risikolosen Zins kann also keine Rede sein, streng genommen gab es nie einen. Leider wird dieses in der Wissenschaft nur langsam begriffen und folglich in der Finanzwirtschaft noch langsamer umgesetzt. Anleger, egal ob privat oder institutionell, suchen heute mehr denn je den sicheren Hafen, unabhängig davon, dass dieser gegebenenfalls im sagenumwobenen Atlantis liegen könnte. Oder wie erklären Sie sich den massiven und leider oft kritiklosen Mittelzufluss in scheinbar sichere Geldanlagen wie Sparbücher, Geldmarktkonten oder Staatsanleihen, die einen scheinbar risikolosen Zins bieten und hinter denen oft Emittenten (Schuldner) stecken, die gerade mit massivem Steuermitteleinsatz am Leben erhalten werden oder selbst für den Ausfall anderer bürgen müssen?

Wenn man eines aus der Finanzkrise ziehen kann, dann die Erkenntnis und leider auch die bitter bezahlte Erfahrung, dass es ausnahmslos keine risikolose Anlage gibt und schon gar nicht einen Zins ohne Risiko. Es kommt vielmehr darauf an, eine Geldanlage vor dem Hintergrund des aktuell herrschenden wirtschaftlichen und politischen Umfeldes nach dem Risikopotential zu untersuchen. Und so kommt man schnell zu dem Ergebnis, dass sowohl Berater als auch Kunde sich entscheiden müssen, welche konkreten Risiken sich auf die Geldanlage aktuell auswirken könnten und welche Aufmerksamkeit man diesen Risiken bei der Anlageentscheidung beimessen möchte. Wichtig dabei ist, diesen Prozess laufend zu aktualisieren und wahrscheinliche Risikoszenarien mit dem „gefühlten“ Risikoempfinden des Kunden abzugleichen.

Aktuell kann man das viel diskutierte Inflationsrisiko in der Beratung thematisieren und prüfen, in wie weit der Kunde dieses im Anlageprozess berücksichtigen möchte, unabhängig davon, dass man zu Inflationsprognosen konträrer Meinung sein kann. Nähme man einen enormen Preisanstieg als ein wahrscheinliches Szenario an, wäre die Frage gestattet, warum man gerade in Anlagen mit vermeintlich risikolosem Zins investiert ist.

Fazit: Sollte Ihnen wieder einmal ein risikoloser Zins begegnen, so untersuchen Sie diesen anhand möglicher Risikoszenarien (z.B. Inflation, Staatspleite, Währungsreform etc.) und schauen, was von der vermeintlichen Sicherheit übrig bleibt. Des Weiteren kann man einfach akzeptieren, dass es immer unkalkulierbare Risiken im Geldanlagegeschäft geben wird und man diese nicht eliminieren kann. So hat auch ein mit dem Nobelpreis geehrter Wirtschaftwissenschaftler und Kapitalmarkttheoretiker (s)einen pragmatischen Weg gefunden (abseits der eigenen Theorie): auf die Frage, wie denn der private Harry Markowitz sein Geld anlegen würde, antwortete dieser nur: „50% Aktien und 50% Anleihen“. So einfach kann es gehen. Paradox, oder?

Vladimir Skendzic, Investment Manager, Skandia

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Über Bernd Veith

Im Jahr 2016 blicke ich auf eine 25 jährige Erfahrung im Investmentbereich zurück. Nach meiner Ausbildung zum Kaufmann und Abschluss des allgemeinen wirtschaftlichen Abiturs, studierte ich zunächst an der Justus Liebig Universität in Gießen Psychologie. 1991 begann ich meine Laufbahn im Investmentbereich bei der Tecis Holding AG in Hamburg. Nach dem Aufbau einer Vertriebskoordination für die Cato GmbH, einem Unternehmen der Tecis Holding AG, in Lich, Hessen, machte ich mich 1995 mit einer Investmentberatung für Privatkunden und Unternehmen in Frankfurt selbständig und gründetet 1998 zusammen mit Michael Müller die Müller & Veith GmbH in Frankfurt. Die Müller und Veith Investmentfonds Beratungs GmbH etablierte sich schnell als eines der führenden Unternehmen und Spezialist in Beratung sowie Execution von offenen Investmentanlagen für private sowie institutionelle nationale wie internationale Mandate. Viele innovative Neuerungen in der Darstellung von Depots und in der professionellen Beratung und Betreuung von Kunden, die heute als selbstverständlich gelten, wurden durch die Müller & Veith GmbH initiiert oder zumindest maßgeblich beeinflußt. Der Firmensitz der Müller & Veith GmbH wurde im Laufe der Unternehmensgeschichte von Frankfurt a. Main nach Friedberg/Hessen verlegt. 2016 entschloß ich mich, die Müller & Veith GmbH an Herrn Volker Stache zu verkaufen und konzentriere mich nun weiterhin auf das, was mir am wichtigsten ist. In der neuen Funktion als Seniorberater, stehe ich selbstverständlich weiterhin den Kunden der Müller & Veith GmbH zur Verfügung. In meinem neuen Unternehmen investment-know-how, biete ich meine 25 jährige Erfahrung im Vertrieb, Investmentbereich, Kundenberatung, Unternehmensaufbau und -optimierung und natürlich auch als Investor, der sein eigenes Vermögen verwaltet, in Form von Coaching, Consulting und Events im Bereich B2C und B2B an. Sprechen Sie mich dazu gerne an! Mein Lieblingszitat ist: "Du mußt das was du denkst auch wollen, du mußt das was du willst auch sagen und du mußt das was du sagst auch tun"! (Alfred Herrhausen)

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